PS: E.T.A. Hoffmann

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"Wie ... krankhaft, unnütz, und ohne allen sittlichen Grund ... eigentlich! … Und 'vive l'auteur!' schreit das deutsche Publikum. Nicht zum Verstehen." - so Rahel Varnhagen 1820 verständnislos über den Erfolg einer Erzählung E.T.A. Hoffmanns beim breiten Publikum. Heute gilt Hoffmanns literarisches Oeuvre als Quintessenz der dunklen wie der skurrilen Seite der deutschsprachigen Romantik. Mit ihm gelangten das Groteske, das Phantastische, das Wunderbare und das Unheimliche zur meisterhaften Darstellung in der deutschen Literatur.

Das Seminar will einführen in sein Werk und folgt dabei dem Verlauf des Hoffmannschen Schaffens. In einem ersten Block wird Hoffmans Debüt als Meister des phantastischen Erzählens im Mittelpunkt stehen: die "Fantasiestücke in Callots Manier. Blätter aus dem Tagebuch eines reisenden Enthusiasten". Schon in ihnen erhob Hoffmann das Überschreiten des Gewöhnlich-Alltäglichen zum Programm. Besondere Aufmerksamkeit liegt auf "Der goldne Topf. Ein Märchen aus der neuen Zeit". Dem folgt Hoffmanns zweiter Zyklus, die "Nachtstücke", unter besonderer Berücksichtigung der Erzählung "Der Sandmann", der spätestens seit Freuds Analyse ein alles überragendes Interesse in der Forschung gilt. Der dritte Zyklus, "Die Serapions-Brüder. Gesammelte Erzählungen und Märchen", steht in der Tradition der europäischen Novellensammlungen. In den Rahmengesprächen wird das sog. "serapiontische Prinzip" als Zentrum Hoffmannschen Erzählens entwickelt. Als Beispiel einer Künstlernovelle werden wir "Das Fräulein von Scuderi" lesen, die gemeinhin als erste deutsche Kriminalgeschichte gilt. Nach der Lektüre einer der letzten Erzählungen Hoffmanns "Des Vetters Eckfenster" widmen wir uns schließlich Hoffmanns Roman "Lebens-Ansichten des Katers Murr nebst fragmentarischer Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler in zufälligen Makulaturblättern". Glaubt man dem Vorwort, so handelt es sich hier um die Autobiographie eines Katers, die immer wieder von Fragmenten einer anderen Lebensgeschichte unterbrochen wird, weil der Kater einseitig beschriebenes Schmierpapier benutzte und der Setzer versehentlich auch die Rückseite mit abdruckte. Diese ungewöhnliche Konstruktion nimmt Erzählexperimente der klassischen Moderne und den Hypertext des Internetzeitalters vorweg.

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