PS: Ernst Jandl

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Zu Ernst Jandls 65. Geburtstag vertauschte die taz auf ihrer Titelseite konsequent die Buchstaben L und R und erinnerte so an eines seiner berühmtesten Gedichte: lechts und rinks kann man nicht velwechsern. Das zeigt: ungeachtet der Proteststürme, die seine Gedichtbände anfangs im deutschen Feuilleton hervorriefen, ist Ernst Jandl inzwischen im literarischen Kanon angekommen. Seine Gedichte gehören längst zum festen Bestand der deutschsprachigen Poesie und stellenweise sogar der Alltagskultur. Jandl gilt heute als einer der wohl bedeutendsten experimentellen Lyriker der deutschsprachigen Literatur nach 1945.

Mit fast jedem seiner Gedichtbände eroberte Jandl lyrisches Neuland: von den Gedichten in "heruntergekommener sprach", die an das gebrochene Deutsch von Ausländern erinnern, über seine Stanzen (Mundartlyrik) und Sprechgedichte, die "erst durch lautes Sprechen wirksam werden", bis hin zu seinen visuellen Gedichten und dem experimentellen Hörspiel, das er als eigenständige Gattung zu etablieren half.

Am weiten Gattungsspektrum seines Œuvres lässt sich das im Einführungskurs in die NDL erworbene theoretische Grundwissen auf ideale Weise erproben: Neben den Gedichten sollen Prosatexte, Dramen, Hörspiele und poetologische Texte gelesen werden. Auch Fragen der Literaturgeschichtsschreibung werden berührt, wenn Jandls Œuvre in Beziehung gesetzt wird zur Avantgarde (Dada, Expressionismus), zur Konkreten Poesie, zur Visuellen Poesie, zur Lautpoesie und zur Wiener Gruppe. Und schließlich soll der Spaß bei alldem nicht zu kurz kommen, gilt Jandl doch auch als einer der witzigsten Poeten, der mühelos große Säle füllen konnte und von dessen Lesungen es unzählige Mitschnitte gibt.

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