HS: Kann man Literatur ausstellen?

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"Es ist ein offenes Geheimnis, daß Literatur im eigentlichen Sinne nicht ausstellbar ist. Literatur verlangt danach, in stiller Zurückgezogenheit und konzentrierter Beachtung erfahren zu werden. [...]. Das Medium Museum als Ort der visuellen Aneignung konterkariert dagegen den Sinn und Zweck von Literatur [...]" — heißt es in den Mitteilungen des Germanistenverbandes aus dem Jahr 1986. Diesem Diktum von der Unausstellbarkeit der Literatur zum Trotz gibt es in Deutschland weit über 200 Literaturmuseen und literarische Gedenkstätten. Die Zurückhaltung der Literaturwissenschaft bei der Theoretisierung von Literaturausstellungen steht also in auffallendem Gegensatz zu deren Bedeutung in der öffentlichkeit. Eine aktuelle Relevanz hat dieses Thema durch die Eröffnung des Literaturmuseums der Moderne in Marbach im vorigen Jahr bekommen.

Das Seminar setzt sich mit der ästhetik und Typologie von Literaturausstellungen auseinander und legt das Hauptaugenmerk auf die Veränderungen in der Ausstellungspraxis der letzten Jahre. Ziel ist es, ein Verständnis für das Museum bzw. die Ausstellung als Heterotopie und als eigenes 'Medium zu begründen. Dabei werden anhand folgender 'Fallstudien' aktuelle Tendenzen und neue Formate diskutiert: 1) memoriale Museen (z.B. das Schillerhaus Weimar); 2) die Inszenierung am authentischen Ort (z.B. der 'begehbare Roman' im Buddenbrookhaus Lübeck und das Museum in Wolframs-Eschenbach); 3) mediale Museen als Erlebnisort (z.B. das Nibelungenmuseum im Worms); 4) die Literaturausstellung als Kunstausstellung (z.B. das Literaturmuseum der Moderne in Marbach). Vorgesehen ist die gemeinsame Besichtigung von ein oder zwei Literaturausstellung/en. In diesem Zusammenhang soll das Verfassen von Ausstellungsrezensionen geübt werden.

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