Nach Herta Müller und Alois Holtschnigg wird nun der Vater der Konkreten Poesie, Eugen Gomringer, Gast des Poetik-Kollegs sein. Eugen Gomringer war einer der ersten, der nach 1945 die herkömmlichen Schreibweisen in der Lyrik radikal änderte und den Grundstein legte für die experimentelle Nachkriegsliteratur. Er führte die 'Konstellation' in die Literatur ein, die er definiert als "die einfachste gestaltungsmöglichkeit der auf dem wort beruhenden dichtung. sie umfaßt eine gruppe von worten - wie sie eine gruppe von sternen umfaßt und zum sternbild wird. in ihr sind zwei, drei oder mehr, neben- oder untereinandergesetzten worten [...] eine gedanklich-stoffliche beziehung gegeben. und das ist alles! die konstellation ist eine ordnung und zugleich ein spielraum mit festen größen. sie erlaubt das spiel. [...] sie ist eine realität an sich und kein gedicht über ..." Von Beginn an war Gomringers innovative poetische Praxis flankiert von theoretischen Reflexionen und programmatischen Statements. Und immer wieder kommt Gomringer auf historische Vorbilder zu sprechen: auf Stéphane Mallarmé, Guillaume Apollinaire, Arno Holz, Hugo Ball, E.E. Cummings, William Carlo Williams, Dadaismus, Futurismus ... Und schließlich war sein Werk immer eine Hommage an die abstrakte und die konkrete Kunst. In den ersten Sitzungen werden wir uns mit den Vorläufern experimenteller Dichtung und der Konkreten Kunst beschäftigen. Dem schließt sich eine Exkursion zu Eugen Gomringer nach Rehau an, wo er uns in sein persönliches Archiv der Konkreten Kunst und Poesie einführen wird. Nach einem Block zum Schaffen Gomringers folgt ein Workshop mit Gomringer. Abgeschlossen wird das Poetik-Kolleg durch eine öffentliche Lesung.

